Andacht

 

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Das Wort zum Sonntag für Sie zusammengestellt.

 

 

Psalm 104, 14: HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

Lieber Leser!

Auf vielen Karten sind Orte markiert, von denen aus der Wanderer einen herrlichen Ausblick genießen kann. Und da diese Orte auch gerne aufgesucht werden, sind meistens Bänke dort aufgestellt, die zum Verweilen einladen. Bestimmt haben sie auch schon einmal eine tolle Sicht erleben dürfen: auf einen ruhigen See, auf erhabene Berge oder aber die Skyline einer großen Stadt (wer das lieber mag).

Das Verhalten der wandernden Menschen an solchen Ausblickspunkten ist manchmal allerdings merkwürdig. Viele schauen nicht mehr „einfach so“ und genießen auch nicht wirklich die Szenerie. Sie drehen der schönen Aussicht hingegen den Rücken zu, halten ihr Telefon am ausgestreckten Arm und versuchen verzweifelt ein Bild von sich und der Landschaft zu machen (Selfie), auf dem sie trotz der Verrenkung noch erholt und glücklich aussehen. Ich bin auch schon so ein merkwürdiger Wanderer gewesen; ich gebe es zu.

Warum tun wir das? Geht es wirklich nur um die eigene Erinnerung an das Erlebte? Oder wollen wir anderen zeigen, an was für tollen Orten wir waren? Müssen wir immer im Mittelpunkt stehen; selbst auf einer schönen Landschaftsaufnahme?

In einem Lied aus unserem Jugendliederbuch heißt es: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum, du trägst mich auf Flügeln der Liebe. Freiheit beginnt, wenn wir Gott vertraun, er stellt uns auf weiten Raum.“

Ja, Gott stellt uns im Glauben auf weiten Raum. Wer glaubt, der hat von Gott Weite und eine tolle Aussicht geschenkt bekommen. Wir brauchen dann nicht immer selbst im Mittelpunkt zu stehen, sondern haben Gott und die Schönheit seiner Werke im Blick.

Wer nur auf sich selber schaut, der muss sich verrenken. Und der Versuch dabei auch noch glücklich auszusehen, wirkt manchmal ziemlich verzweifelt. Freiheit von solcher Selbstinszenierung beginnt, wenn wir Gott vertraun. Unsere Freiheit beginnt, wenn wir auf den Herrn Christus schauen und ihn den Mittelpunkt unseres Lebens sein lassen.

Dazu laden die Bänke in vielen Kirchen ein: zum Verweilen bei Gott. Lassen Sie sich bei einer Wanderung im Urlaub doch zur Ruhe dort nieder. Der wunderbare Ausblick auf Gottes Schönheit und Güte wird ihnen guttun.

Und noch ein Hinweis in eigener Sache: Bitte beachten sie die Hinweisschilder in der Kirche und fotografieren sie ohne Blitzlicht. Ob sie ein Selfie machen, bleibt hingegen ganz Ihnen selber überlassen.

Ihr Pfarrer Sebastian Anwand (Evangelisch-Lutherische St. Paulsgemeinde Greifenstein-Allendorf, Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche)