Wort zum Sonntag – Jahr 2019

 

„Na, jetzt geht uns ja überall wieder ein Licht auf,“ grummelt Stefan. „Zeit für Elektrosterne und Lichtbögen in den Fenstern, Lichterketten in der Gartenhecke, kommunale Tannenerleuchtung in den Straßen und die erste Kerze am Adventskranz. Aber eigentlich bräuchte ich mal wirklich einen Lichtblick in meinem Leben. Was da alles zusammenkommt, machste dir keine Vorstellung von. Sieht eher finster aus.“

Das kennen wir vielleicht selber: Irgendwann kommt einfach zuviel zusammen und man möchte am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und nichts mehr machen.

Der Monatsspruch für Dezember erinnert uns daran, dass es da noch eine Möglichkeit mehr gibt als wir auf der Rechnung haben: „Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.“ ( Jesaja 50, 19).

Diese Zusage des Jesaja hat etwas Tröstliches: wenn ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich das Gefühl habe, nichts mehr machen zu können, dann darf ich auch mal nichts mehr machen. Ich muss mich nicht sofort aufraffen und aktivieren, als hinge alles von mir alleine ab. Vielleicht ist es in einer solchen Situation auch genauso nötig wie hilfreich, Gott erst einmal wieder wahrzunehmen? Ihn als Ansprechpartner, der sich meine Klagen anhört und als Möglichkeit der Hilfe wieder zu entdecken? Sich mal wirklich auf ein Vertrauensverhältnis einzulassen?

Die Kerzen auf dem Adventskranz in dunkler Zeit erinnern uns daran, dass in die Dunkelheit hinein Jesus Christus geboren wurde. Als Zeichen dafür, dass Gott unseren normalen, durchschnittlichen und manchmal belastenden Alltag mit uns teilt samt allen Sorgen, Enttäuschungen und Konflikten, die sich da so ansammeln. Einer, der unsere Wege mitgeht.

Der Schriftsteller Jochen Klepper, der in seinen Liedern viel über das Leben im Dunkel und das tröstende Licht Gottes nachgedacht hat, kommt für sich zu der Überlegung: „Manchmal denkt man, Gott müsste einem in all den Widerständen des Lebens ein sichtbares Zeichen geben, das einem hilft. Aber das ist eben sein Zeichen: dass er einen durchhalten und es wagen und dulden lässt.“

Pfarrer Michael Lübeck, Schulreferent des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill