Sonntag den 20.06.2021

 

 

 

Konfirmandinnen/Konfirmanden 2020/2021

Salome Zörb, Tanisha Barborsik, Pascal Noel Weichert, Mattis Pracht, Lara Cathleen Weichert, Maximilian Engel, Emma Charlotta Michel, Ole Nickerl, Madita Sophie Zörb, Lotta Pauline Luh und Frederik Daniel Breithaupt

 

 

Am 20. Juni war es endlich soweit: Die Konfirmandinnen und Konfirmanden 2021 konnten sich der Gemeinde vorstellen! Und sie haben sich ins Zeug gelegt – wie auch die Lützellindener Jugendband „Back-to-Live“, die nun endlich wieder in einem Gottesdienst spielen konnte.
Hier Fotos von einem bewegenden Tag und die Predigt von Pfr. Everling. Auf unserer Homepage können Sie den Gottesdienst auch über einen Link anhören.

Liebe Konfi-Gemeinde,
da haben wir jetzt eine Menge gehört und sogar gesehen – vielen Dank unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden an dieser Stelle dafür!
Ihr habt uns nicht nur euch, sondern auch euren, unsern Gott vorgestellt! - schon in euren Konfisprüchen: Wie viel Vertrauen zu Gott habt ihr da ausgedrückt – bis hin zum Vertrauen auf Gott draußen auf Meereswogen!
Gott ist vertrauenswürdig! So habt ihr ihn uns im Psalm 23 auch vorgestellt als unsern „guten Hirten“.
Und dieser Gott ist in seinem Sohn Jesus Mensch geworden – und wieder habt ihr uns vorgestellt, was für ein Vertrauen die Leute zu Jesus hatten, was sie Unglaubliches angestellt haben, um ihm zu begegnen und von ihm geheilt zu werden!
Dazu habt ihr euch sogar ins Zeug gelegt und die Geschichte in Bildern dargestellt.

Tja, und dann die Geschichte mit der Kreuzigung. Passt auf den ersten Blick so gar nicht in die Sommerzeit. Die wolltet ihr erzählen, weil euch darin alles Mögliche bewegt hat: wie da Menschen miteinander und mit Jesus umgegangen sind, wie z.B. ein Pilatus doch versucht hat, Jesus aus der Nummer rauszukriegen, die seine Gegner für ihn ausgedacht hatten.
Aber auch hier hat euch berührt, wie Jesus mit den Leuten umgegangen ist: wie er für seine Gegner und die Soldaten gebetet hat und wie er mit dem anderen geredet hat, der auch gekreuzigt worden war.
Auch damit habt ihr uns Gott und seinen Sohn als extrem vertrauenswürdig vorgestellt.
„Berührend“ habt ihr das Verhalten von Jesus genannt. Das allerberührendste ist aber, warum Jesus das alles überhaupt auf sich genommen hat. Wir erinnern uns: Er wurde zwar verraten – aber er hat es kommen sehen. Er hätte abhauen können, woanders hin gehen als in den Garten Getsemane.
Jesus hat einen berühmten Satz gesagt im Evangelium des Johannes Kap. 10,11: Ich bin der gute Hirte! Klingt erst mal total nach Psalm 23. Aber der Hammer ist, wie Jesus dann weiterredet, was er dann weiter sagt:

Ich bin der gute Hirt. Ein guter Hirt ist bereit, für seine Schafe zu sterben. 12 Einer, dem die Schafe nicht selbst gehören, ist kein richtiger Hirt. Darum lässt er sie im Stich, wenn er den Wolf kommen sieht, und läuft davon. Dann stürzt sich der Wolf auf die Schafe und jagt die Herde auseinander. 13 Wer die Schafe nur gegen Lohn hütet, läuft davon; denn die Schafe sind ihm gleichgültig. 14 Ich bin der gute Hirt. Ich kenne meine Schafe und sie kennen mich, 15 so wie der Vater mich kennt und ich ihn kenne. Ich bin bereit, für sie zu sterben.

Das ist, finde ich, wieder total berührend...

Ich weiß nicht, ob ich euch schon erzählt habe, was der „Stecken“ und der „Stab“ sind, von dem im Psalm 23 die Rede ist: „dein Stecken und Stab trösten mich“. Das waren bei den Hirten Israels keine harmlosen Spazierstöcke, sondern zum einen ein handfester Wanderstab – und zum anderen eine regelrechte Keule, u.U. gespickt mit Eisenspänen. Damit gingen die Hirten bei Bedarf auf Wölfe, Bären oder Berglöwen los... „Dein Stecken und Stab trösten mich“ - deine Keule und dein Wanderstab machen mir Mut...
Ein richtiger Hirte kann nicht zusehen, wie ein Wolf seine Schafe attackiert – der geht dazwischen, auch wenn er damit sein eigenes Leben riskiert!
Jesus hat die Kreuzigung akzeptiert, um uns Menschen gegen einen unsichtbaren Feind zu schützen. Die Bibel nennt ihn den Teufel, andere ahnen was von einer dunklen Macht. Der Teufel aber ist in der Bibel erst mal gar nicht der höllische Grillmaster, als den ihn mittelalterliche Malereien vorstellen. Er tritt zuerst auf als der Ankläger, als himmlischer Staatsanwalt. Er sagt zu Gott: Guck dir die Menschen doch mal genau an, was für einen erbärmlichen, ja verdammungswürdigen Mist die miteinander und mit deiner Welt anstellen.
Gegen diese Anklage hat Jesus sich in die Bresche geschmissen. Weil gegen die Anklage des Satan oder der dunklen Macht nicht wirklich was zu sagen ist (auch wenn wir Menschen natürlich nicht nur Böses tun, sondern auch Gutes),hat Jesus stellvertretend die Strafe auf sich genommen. So hat er sich wie ein guter Hirte aus Liebe zu seinen Schafen vor den „Wolf“ der Anklage gegen uns Menschen geworfen.
Im Grunde schützt Jesus uns damit bis heute - vor uns selber. Die „dunkle Macht“ steckt letztlich in uns selber. Wir sind selber die „Wölfe“.
Das fängt ja ganz harmlos an: Gerade wenn wir heranwachsen, wären wir gerne „coole Wölfe“. Ich habe unlängst erst ein Foto geschickt bekommen aus Sachsen-Anhalt, da streifte ein „einsamer Wolf“ am hellichten Tag offen über eine Wiese durch die Sonne - ganz cool... So sind oder wären wir gerne. Und so weit ist das ja auch ok, aber:
Wenn nötig, leben wir wie die Wölfe auch auf Kosten und zulasten anderer. Das bedeutet: Wir sind füreinander gefährlich.

Bei den alten Römern gab es das Sprichwort: homo homini lupus – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Soll heißen: Wir sind gegeneinander oft rücksichtslos.
Und selbst wenn wir das selber nicht oder viel weniger als andere sind, hängen wir u.U. doch mit drin – indem wir Dinge laufen lassen und nicht dagegen protestieren usw., was andere mit anderen machen.
Ich las erst gestern ein Zitat von Albert Einstein, da sagte er: „Es ist gefährlich; in der Welt zu leben! Nicht so sehr wegen denen, die Böses tun, sondern wegen denen, die es geschehen lassen.“
Wie hammerhart das werden kann, was Menschen Menschen antun, auch das hat euch an der Kreuzigungsgeschichte bewegt. Und weil das ein echtes Problem unter uns Menschen ist, hat Jesus schon zu Lebzeiten auf Erden angefangen, Sünden zu vergeben.
Ihr erinnert euch: den Gelähmten hat er ja nicht einfach gesund gemacht. Erst hat er ihm seine Sünden vergeben – keine Ahnung, welche, wahrscheinlich wusste Jesus das selber nicht.
Und weil dann einige – eigentlich völlig zu Recht – sagten, dass das doch nur Gott kann, hat Jesus quasi als Demo den Gelähmten gesund gemacht: Hier seht ihr, dass ich das nicht aus persönlicher Laune gesagt habe, „Dir sind deine Sünden vergeben“, sondern weil Gott dahinter steht.
Und dass Gott hinter dem Tod von Jesus als gutem Hirten für seine Schafe stand, das hat Gott klargemacht mit der Auferweckung von Jesus. Die große Fensterrosette hier in der Lützellindener Kirche erinnert jeden Sonntag an Jesus: Er ist der gute Hirte, der sein Leben gelassen hat für seine Schafe. Amen

Pfr. Everling